Empower me! Digitale Beteiligung darf niemanden ausschließen
Digitale Gesellschaft | 21.05.2026
Wie können digitale Räume so gestaltet werden, dass junge Menschen sie nicht nur nutzen können, sondern durch sie wirklich handlungsfähig werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Session „Empower Me! Digitale Beteiligung, die niemanden ausschließt“ auf der re:publica. Helliwood war hier mit dem Projekt “KI für alle” Teil des Panels auf der Bühne der Aktion Mensch.
Digitale Angebote gibt es viele. Apps, Beratungsplattformen, KI-Tools, Informationsseiten, Lernangebote. Auf den ersten Blick scheint damit vieles möglich: Unterstützung ist nur einen Klick entfernt, Wissen ist jederzeit verfügbar und Beteiligung ist technisch einfacher denn je.
Verfügbarkeit allein bedeutet jedoch noch keine Teilhabe. Nicht alle jungen Menschen haben Zugang oder verfügen über die notwendigen Geräte. Manche scheitern an Sprache, Komplexität, unklarer Navigation oder fehlendem Vertrauen.
Genau hier setzt Helliwood mit dem von der Aktion Mensch Stiftung geförderten Projekt „KI für alle“ an. Unser Ziel ist es, Künstliche Intelligenz so zu vermitteln und nutzbar zu machen, dass sie junge Menschen unabhängig von ihren Voraussetzungen, Erfahrungen oder Unterstützungsbedarfen stärkt.
KI muss zugänglich werden – nicht nur verfügbar sein
Künstliche Intelligenz wird oft als Technologie beschrieben, die allen offensteht: Man fragt, erhält eine Antwort und kann weiterarbeiten. Doch gerade für junge Menschen mit Förderbedarf ist KI häufig alles andere als leicht oder intuitiv zu nutzen. Man muss wissen, wie man passende Fragen formuliert, Anliegen strukturiert, Ergebnisse einordnet und Antworten beurteilt. Hinzu kommen ganz praktische Barrieren: zu viel Text, zu lange Antworten, zu komplexe Sprache, unklare Begriffe oder Formulierungen, die nicht an die Lebenswelt junger Menschen anschließen. Dadurch kann KI schnell überfordern und gerade diejenigen ausschließen, die von einer guten Unterstützung besonders profitieren könnten.
Bei „KI für alle“ geht es darum, Zugänge zu schaffen, Orientierung zu bieten und Selbstvertrauen im Umgang mit KI aufzubauen. Wir verstehen KI dabei als Ermöglichungstechnologie: Sie soll junge Menschen nicht passiv machen oder Kompetenzen ersetzen, sondern diese stärken. KI soll Selbstwirksamkeit erfahrbar machen – beim Lernen, Verstehen, Ausprobieren, Entscheiden und Gestalten.
Fünf Thesen für digitale Beteiligung
Passend zum Thema standen bei der Diskussion auf der re:publica fünf Thesen im Zentrum:
1. Digitale Räume müssen zugänglich und auffindbar sein
Zugänglichkeit bedeutet dabei mehr als nur Barrierefreiheit im technischen Sinne. Es geht auch um einfache Sprache, gute Auffindbarkeit, alltagsnahe Zugänge, passende Endgeräte, sichere Nutzungsorte und die Frage, ob junge Menschen überhaupt wissen, dass ein Angebot für sie gedacht ist.
2. Digitale Räume müssen verständlich sein und Orientierung geben
Verständlichkeit bedeutet: weniger Fachsprache, weniger Hürden, mehr Anschluss an die Lebensrealität junger Menschen. Erst wenn junge Menschen verstehen, was sie tun können und warum es für sie relevant ist, wird aus Zugang echte Nutzung.
3. Digitale Räume müssen sicher und vertrauenswürdig sein
Vertrauen entsteht durch Datenschutz, Verlässlichkeit, Anonymität, transparente Regeln sowie das Gefühl, nicht bewertet oder bloßgestellt zu werden. Gerade bei sensiblen Themen kann Anonymität eine wichtige Rolle als Türöffner spielen.
4. Digitale Räume müssen Selbstbestimmung und Kontrolle ermöglichen
Empowerment bedeutet, die Kontrolle zu behalten. KI darf nicht als übermächtiges System wahrgenommen werden, sondern als Ermöglichungstechnologie, die junge Menschen aktiv nutzen, hinterfragen und mitgestalten können.
5. Digitale Räume müssen handlungsfähig machen und Selbstwirksamkeit fördern
Digitale Teilhabe ist mehr als nur Information. Sie entsteht dort, wo junge Menschen merken: „Mein Handeln hat Wirkung.” Entscheidend ist das Gefühl, etwas tun zu können. Ich werde gehört. Ich kann etwas verändern.“
Technologie allein schafft kein Empowerment
Eine zentrale Erkenntnis der Session war, dass digitale Technologien nicht von selbst empowern.
Auch KI entfaltet ihr Potenzial nur durch pädagogische Begleitung, verständliche Vermittlung und Räume, in denen junge Menschen Fragen stellen, Fehler machen und Erfahrungen reflektieren können.
Unser Anspruch: KI für alle jungen Menschen
Mit „KI für alle“ wollen wir dazu beitragen, dass junge Menschen Künstliche Intelligenz nicht nur als Zukunftstechnologie wahrnehmen, sondern auch als etwas, das sie selbstbestimmt, kritisch und kreativ nutzen können. Unser Fokus liegt dabei insbesondere auf jungen Menschen mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen, mit Sprachbarrieren, mit wenig Zugang zu Technik oder mit geringem Vertrauen in digitale Angebote.
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Foto Copyright: Rebecca Rütten_re:publica
Autor: Jutta Schneider