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OsZ 08/09: Freibeuter der Kunst

Literaturpiraten, die Bücher raubdrucken. Musikganoven, die ganze Alben im Internet verbreiten. Die „Generation Doof“, wie Autorin Anne Weiss uns liebevoll betitelte, hat den Respekt vor Kreativität verloren. Trotz dieses Gesellschaftspessimismus hat Autorin Nadja Krüger noch einen Traum.

Freibeuter der Kunst

Freibeuter der Kunst

Der Ursprung aller Kreativität ist der Kopf. Gedanken rasen und formen sich zu Wörtern, Bildern, Liedern. Jedes einzelne ein Original. Unsere Umwelt ist durchweg geprägt von Originalen: einzigartige Menschen, beschönigende Literatur, mitreißende Musik. Ein Original. Das ist die erst-kreierte Fassung eines künstlerischen Erzeugnisses. Doch oft wird es verfälscht, kopiert und somit bedeutungsloser. Jeder kann sich Kopien auf Internetseiten wie Rapidshare herunterladen. Das Original ist dann gar nicht mehr interessant. Wer kauft schon eine CD, wenn er alle Lieder im Netz bekommt?

Raubdruck-Skandal

In den 70er Jahren gab es einen Skandal um eine Raubdruckaktion, die den Autor Arno Schmidt betraf. Sein Buch „Zettels Traum“ wurde vervielfältigt und von so genannten Piraten weit unter dem normalen Ladenpreis verkauft. Sie bestritten jegliche Existenz geistigen Eigentums und wandten sich gegen das Copyright. Viele Leute scheinen das genau so zu sehen: Bücher werden eingescannt und als pdf-Dateien ins Internet gestellt, und die musikalische Raubkopieszene boomt.

Geistiges Eigentum. So lautet der juristische Begriff für den Ideenreichtum eines Menschen. Respekt davor haben anscheinend nur diejenigen, die selber einmal Opfer einer geistigen Ausbeutung geworden sind. Und das beginnt schon in der Schule: Kinderäuglein, die vor lauter Hilflosigkeit während einer Klassenarbeit auf das Blatt des Nachbarn fallen. Natürlich kann man sich darüber streiten, ob das Abschreiben des Satz des Pythagoras als Diebstahl geistigen Eigentums zu betrachten ist, aber in kreativen Fächern, wie Deutsch zum Beispiel tritt dieser Fall unbestriten zu.

Man sollte vorsichtig sein, wem man vertraut

Ich habe vor einiger Zeit in einem engen Bekanntenkreis eines meiner Gedichte vorgetragen und musste einige Tage später feststellen, dass eine Freundin den Text über Facebook und ihre private Homepage im Internet verbreitet und als ihr Werk präsentiert hat. Man sollte vorsichtig sein, wem man vertraut. Eine Lehre, die sonst eher als Moral aus einem Bondfilm hervorgeht. Die neuen Kommunikationsplattformen, wie Facebook, studivz und neuerdings twitter bilden große Keimherde für den Befall des geistigen Eigentums. Auf den Profilseiten kann jeder von jedem alles lesen und sehen.

Wie soll es weitergehen?

Um es mit den Worten des Menschenrechtlers Dr. Martin Luther King zu sagen: „Ich habe einen Traum…“. Dass die Jugend den Respekt vor der Kunst zurückgewinnt. Dass jeder einzelne danach strebt wieder Bücher in den Händen zu halten, seine Nase reinzustecken und den Odeur jeder Seite langsam einzuatmen. Literaturpiraten, Musikfreibeuter, Kunstbanausen – nehmt euch ruhig auch diesen Artikel und verbreitet ihn. Kunstschaffende und Freidenker – passt auf euer Herzblut auf.

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